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Elektrosmog im Wohnraum

Hochspannungsleitung vor blauem Himmel

Elektrosmog ist unsichtbar, und gerade deshalb verunsichert das Thema viele Menschen. Wir messen seit über 20 Jahren magnetische Störfelder in Gebäuden. Mit dieser Erfahrung ordnen wir hier ein, was sich tatsächlich messen lässt, was die Zahlen bedeuten und welche Maßnahmen etwas bewirken.

Was der Begriff bedeutet

„Elektrosmog" ist kein Fachbegriff, sondern ein Alltagswort. Gemeint sind künstlich erzeugte elektrische, magnetische und elektromagnetische Felder. Sie entstehen überall dort, wo Spannung anliegt, Strom fließt oder gefunkt wird. Behörden und Fachleute verwenden dafür den Sammelbegriff „elektromagnetische Felder“, kurz EMF.

Wichtig ist eine Abgrenzung: Es handelt sich um nichtionisierende Strahlung. Anders als Röntgenstrahlung reicht ihre Energie nicht aus, um Moleküle direkt zu verändern. Nachgewiesen sind folgende Wirkungen: bei niedrigen Frequenzen die Reizung von Nerven und Muskeln und bei hohen Frequenzen die Erwärmung von Gewebe. Beides tritt jedoch erst bei starken Feldern auf. Genau davor schützen die gesetzlichen Grenzwerte.

Vier Feldarten, vier verschiedene Maßnahmen

Wer Störfelder reduzieren will, muss die Feldarten auseinanderhalten.

Elektrische Wechselfelder entstehen, sobald Spannung anliegt, auch ohne dass Strom fließt. Eine ausgeschaltete Nachttischlampe am Netz und das Kabel in der Wand erzeugen ein 50-Hz-Feld. Gemessen wird dies in Volt pro Meter. Diese Felder lassen sich vergleichsweise leicht beeinflussen. Indem der Stromkreis abgeschaltet wird oder geschirmte und geerdete Leitungen verwenden werden.

Magnetische Wechselfelder entstehen erst, wenn Strom fließt, und wachsen mit der Stromstärke. Gemessen wird die Flussdichte in Mikrotesla (µT) oder Nanotesla (nT); 1 µT sind 1.000 nT. Quellen sind Motoren, Transformatoren, Heizgeräte, Hochspannungsleitungen, Trafostationen oder Bahnlinien. Diese Felder durchdringen Beton, Ziegel, Holz und den menschlichen Körper nahezu ungehindert. Abschirmfolie, Abschirmfarbe oder ein Baldachin halten sie praktisch nicht auf. Wirksam sind nur drei Dinge: Abstand, Vermeidung der Quelle oder ein technisches Gegenfeld.

Hochfrequente Felder wie etwa Mobilfunk, WLAN, DECT und Bluetooth übertragen Informationen. Leitfähige Materialien wie Metallgewebe oder bedampfte Scheiben können sie dämpfen.

Gleichfelder sind statisch. Das Erdmagnetfeld gehört dazu, in München rund 48 µT. Magnetisierter Baustahl in Decken und Bodenplatten verzerrt es. Dies führt dazu, dass auf kurzer Strecke das Feld um mehrere Mikrotesla schwankt, und eine Kompassnadel nicht mehr zuverlässig nach Norden zeigt. Gesetzliche Grenzwerte gibt es dafür nicht.

Welche Werte im Alltag auftreten

Die folgenden Werte stammen von der Strahlenschutzkommission und werden vom Bundesamt für Strahlenschutz veröffentlicht. Fett markiert ist der übliche Gebrauchsabstand. Zum Vergleich: Der Referenzwert für 50 Hz liegt bei 100 µT, der baubiologische Vorsorgewert für Schlafplätze bei 0,02 µT.

Gerät 3 cm 30 cm 1 m
Haartrockner 6–2000 µT 0,01–7 µT 0,01–0,3 µT
Staubsauger 200–800 µT 2–20 µT 0,13–2 µT
Mikrowelle 73–200 µT 4–8 µT 0,25–0,6 µT
Induktionskochfeld k. A. 2–6 µT k. A.
Waschmaschine 0,8–50 µT 0,15–3 µT 0,01–0,15 µT
Kühlschrank 0,5–1,7 µT 0,01–0,25 µT < 0,01 µT
Nachtspeicherheizung k. A. k. A. 3–25 µT

Die Tabelle zeigt vor allem eines: Abstand ist der wichtigste Schutzfaktor. Ein Haartrockner überschreitet direkt am Kopf den Referenzwert um ein Vielfaches. Einen Meter entfernt liegt er im Bereich von Zehntel-Mikrotesla. Gerätefelder nehmen mit der Entfernung sehr schnell ab: Schon doppelter Abstand senkt sie deutlich, oft auf einen Bruchteil.

Bei Quellen außerhalb des Hauses sieht es anders aus. Unter einer 380-kV-Hochspannungsleitung liegt die Flussdichte meist unter 20 µT, das Bundesamt für Strahlenschutz maß einen Meter über dem Boden höchstens 4,8 µT. Das Schweizer Bundesamt für Umwelt schätzt, dass solche Leitungen die Belastung in Häusern bis in 150 bis 200 Meter Entfernung erhöhen können.

Grenzwerte und Vorsorgewerte

Die gesetzlichen Grenzwerte für Deutschland stehen in der 26. Bundes-Immissionsschutzverordnung. Für 50-Hz-Anlagen gelten 5 kV/m und 100 µT, für Bahnstrom 300 µT. Nach Auffassung des Bundesamts für Strahlenschutz ist die Gesundheit bei Einhaltung dieser Werte auch bei Dauereinwirkung geschützt.

Zwei Einschränkungen kennen viele nicht. Erstens gilt die Verordnung nur für ortsfeste Anlagen wie Hochspannungsleitungen, Trafostationen und Sendemasten, nicht für Haushaltsgeräte und die Hausinstallation. Zweitens gibt es eine Risikogruppe mit eigenen Schwellen: Bei älteren Herzschrittmachern können schon 20 µT die Funktion stören.

Daneben stehen baubiologische Richtwerte, am bekanntesten der Standard der baubiologischen Messtechnik. Er ist ausdrücklich ein Vorsorgekonzept für Schlafbereiche und orientiert sich am Erreichbaren, nicht an nachgewiesenen Gesundheitswirkungen.

Feldart Grenzwert (26. BImSchV) Vorsorgewert „unauffällig"
Elektrisches Wechselfeld 50 Hz 5.000 V/m < 1 V/m
Magnetisches Wechselfeld 50 Hz 100.000 nT < 20 nT
Magnetisches Gleichfeld keiner für Baustahl < 1 µT

Unsere Einordnung: Gesetzliche Grenzwerte trennen nachweislich schädlich von nicht nachweislich schädlich. Baubiologische Werte zeigen, was an einem Schlafplatz mit vertretbarem Aufwand erreichbar ist. Wer sie überschreitet, ist deshalb nicht in Gefahr. Wer vorsorglich möglichst niedrige Werte möchte, hat damit einen praktikablen Referenzwert.

Ist Elektrosmog gefährlich?

Die Internationale Agentur für Krebsforschung stuft niederfrequente Magnetfelder als möglicherweise krebserregend ein. Grund sind Studien, in denen Kinder mit dauerhafter Belastung über 0,3 bis 0,4 µT statistisch häufiger an Leukämie erkrankten. Ein ursächlicher Zusammenhang ist nicht belegt, ein biologischer Wirkmechanismus nicht bekannt.

Das Bundesamt für Strahlenschutz zieht daraus einen klaren Schluss: Es gibt Hinweise auf mögliche Risiken bei niedrigen Feldstärken, deshalb empfiehlt es Vorsorge. Geräte sollten nach Gebrauch ganz ausgeschaltet werden, und nachts gilt Abstand zu Feldquellen.

Wie hoch ist die Belastung im Alltag tatsächlich? In Bayern haben knapp 2.000 Menschen 24 Stunden lang ein Messgerät bei sich getragen. Bei der Hälfte von ihnen lag der Wert unter 0,05 µT. Nur etwa jede vierzigste Person kam über 0,2 µT. Die Größenordnung, um die es in den Leukämiestudien geht, wird im Wohnalltag also selten erreicht. Es gibt sie aber, meist in der Nähe von Hochspannungsleitungen, Trafostationen oder bei bestimmten Installationen im Haus. Genau dort lohnt eine Messung.

Das Schlafzimmer

Hier verbringen wir rund ein Drittel unseres Lebens, und zwar Nacht für Nacht an derselben Stelle. Deshalb setzen Vorsorgeempfehlungen an dieser Stelle an. Typische Quellen sind Leitungen in der Wand hinter dem Bett, Verlängerungskabel und Netzteile, elektrisch verstellbare Lattenroste, netzbetriebene Radiowecker. Dazu kommen Quellen, die man nicht sieht: ein Sicherungskasten oder Zählerplatz auf der anderen Seite der Wand, eine Steigleitung, ein Wechselrichter oder eine Trafostation in der Nähe.

Messen: selbst oder professionell?

Von Smartphone-Apps rät das Bundesamt für Strahlenschutz ausdrücklich ab. Sie nutzen den Kompass-Sensor, dessen Abtastrate für 50-Hz-Felder nicht ausreicht. Die Anzeige mischt außerdem das Erdmagnetfeld mit anderen Quellen. Auch günstige Messgeräte liefern oft falsche Werte, und ein Hochfrequenz-Messgerät erfasst keine Felder von Stromleitungen, und umgekehrt.

Eine Vor-Ort-Messung beantwortet drei Fragen: Welche Feldart liegt vor, wie stark ist sie am Schlafplatz, und woher kommt sie? Dazu gehören eine Langzeitaufzeichnung über Nacht, die getrennte Erfassung von Netz- und Bahnstrom sowie eine Quellensuche, bei der Sicherungen testweise abgeschaltet und Feldrichtungen bestimmt werden.

Wie wir messen: Wir haben uns auf Magnetfelder spezialisiert, also auf niederfrequente Wechselfelder und auf Gleichfeld-Verzerrungen durch Baustahl. Mit mehreren 3D-Sensoren messen wir gleichzeitig an verschiedenen Punkten, erfassen alle drei Raumachsen und bestimmen Stärke, Richtung und Phasenlage. So wird sichtbar, ob ein Feld von außen kommt, etwa von Freileitung, Bahn oder Trafostation, oder aus dem Haus selbst. Mehr dazu auf der Seite Messung und Beratung.

Was wirklich hilft

Abstand und Abschalten sind bei allen Feldarten die wirksamste Maßnahme. Ein Meter Abstand senkt Gerätefelder meist um Größenordnungen.

Die Elektroinstallation ist der zweite Möglichkeit Elektrosmog zu reduzieren, denn viele Felder im Schlafzimmer stammen aus dem eigenen Haus. Ein Netzfreischalter trennt einen Stromkreis vom Netz. Das senkt elektrische Felder deutlich, magnetische nicht. Wichtig ist außerdem die Leitungsführung: keine Leitungen im Kopfbereich hinter dem Bett, Hin- und Rückleiter gemeinsam in einem Kabel, keine großflächigen Schleifen. Ein Magnetfeld entsteht dort, wo Hin- und Rückstrom räumlich getrennt fließen, etwa wenn Rückströme über Wasserrohre abfließen.

Magnetfelder von außen lassen sich nicht abschalten. Wer an einer Hochspannungsleitung, Bahnlinie oder Trafostation wohnt, kommt mit Folien, Farben und Stoffen nicht weiter. Hier hilft die aktive Magnetfeldkompensation: Sensoren messen das Feld laufend in allen drei Richtungen, ein Steuergerät berechnet das passende Gegenfeld, und Kompensationsspulen erzeugen es dort, wo es gebraucht wird, meist um einen einzelnen Raum. Am besten funktioniert das bei entfernten Quellen, die den Raum gleichmäßig durchziehen. Wie stark sich die Belastung senken lässt, klärt die Messung. Ob eine Anlage fachlich begründet ist, ergibt sich aus den Messwerten.

Gegen Verzerrungen des Erdmagnetfelds durch magnetisierten Baustahl hilft die Entmagnetisierung, im Neubau wie im bestehenden Gebäude, ohne Beschädigung von Böden oder Einrichtung.

Was nicht hilft

Netzstecker mit angeblicher Harmonisierungswirkung, Handy-Aufkleber, Anhänger, Armbänder, Steine, Neutralisierer. Physikalisch ist nicht erklärbar, wie ein Aufkleber ein Magnetfeld unschädlich machen sollte. Messen lässt es sich auch nicht: Ein Magnetfeld bleibt mit und ohne solches Produkt exakt gleich stark. Das Bundesamt für Strahlenschutz stuft diese Produkte als unnötig oder ungeeignet ein und weist darauf hin, dass Hersteller ihre Versprechen im Kleingedruckten oft selbst wieder einschränken.

Wenn Sie es genau wissen möchten

Die gesetzlichen Grenzwerte werden in Wohnhäusern meist eingehalten. Viele unserer Kunden möchten trotzdem vorsorglich wissen, wie stark die Magnetfelder an ihrem Schlafplatz tatsächlich sind.

Genau dafür sind wir da, und zwar über die Messung hinaus. Wir erfassen die Situation dreidimensional, erklären die Ergebnisse verständlich und setzen die Maßnahme anschließend selbst um: eine Magnetfeldkompensation gegen Wechselfelder von außen oder eine Entmagnetisierung des Baustahls im Gebäude. Beides entwickeln und bauen wir seit über 20 Jahren, für Privathaushalte ebenso wie für Labore, Medizintechnik und Industrie.

Beratung anfragen oder zuerst die häufigen Fragen durchsehen.

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